Naturpark-Landschaften

Der besondere Reiz des Naturparks Rhein-Westerwald macht seine landschaftliche Dreiteilung aus: Er umfasst die steilen und felsigen Weinhänge im Mittelrheintal, verläuft entlang des beschaulichen Wiedtals und reicht hoch hinauf bis auf die Höhenrücken des Westerwaldes.

Zur Entstehung dieses vielfältigen Landschaftsbildes haben unterschiedliche geologische Prozesse geführt. Basierend auf den Landschaftsformen, den geologischen Gegebenheiten in Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen lassen sich die (Kultur-)Landschaften des Naturparks erklären sowie die im Naturpark vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. 

 

malbergseeDer Naturpark Rhein-Westerwald liegt im erdgeschichtlich alten rechtsrheinischen Schiefergebirge. Vor Millionen von Jahren war das Gebiet des Naturparks Rhein-Westerwald ein flachwelliges Rumpfgebirge. Im Laufe der Jahrmillionen wurde dieses Rumpfgebirge durch Gebirgsbildungsprozesse, die Eintalung von Fließgewässern wie beispielsweise die Wied oder dem Saynbach und vor allem durch vulkanische Aktivitäten im Tertiär überprägt und erhielt dadurch sein charakteristisches Landschaftsbild. Basaltkuppen, wie die Erpeler Ley, der Asberg oder der Malberg sind Zeugen dieser vulkanischen Aktivitäten. Einige alte Basaltkuppen fielen, wie am Malberg, dem Basaltabbau zum Opfer. Abbaukrater füllten sich im Laufe der Zeit mit Niederschlägen und wurden damit zu Basaltabbau-Seen.

Im Naturpark-Gebiet wurden bis in die 1960er Jahre Eisenerze unter Tage abgebaut. Das besondere Zeugnis des Eisenerzbergbaus im Naturpark Rhein-Westerwald ist die Grube Georg in Willroth mit dem 56 Meter hohen Förderturm. Das Wahrzeichen der Naturpark-Region kann besichtigt werden. Im Naturpark finden sich weitere Zeugnisse des Eisenerzabbaus, wie zum Beispiel die Grube Girmscheid (Hümmerich) und die Grube Luise (Horhausen) sowie der Alvenslebenstollen.

klimaEntsprechend der Topographie des Naturparks, dem Rheintal und den Höhenrücken des Vorderen Westerwalds, zeigt sich klimatisch eine Zweiteilung. Entlang des Rheins liegen die Jahresniederschläge aufgrund der Leewirkung der Eifel zwischen 600 bis 650 mm. Wegen der Stauwirkung der Höhenrücken des Westerwaldes nehmen die Niederschläge auf den höher gelegenen Flächen mit einem Jahresniederschlag von durchschnittlich 900 bis 950 mm zu.
Folglich zeigen sich auch bei den Temperaturen Unterschiede: Entlang des Rheins liegen die Jahresdurchschnittswerte bei 9,5 Grad Celsius. Die Mittelwerte sind auf den Westerwaldhochflächen im Jahresdurchschnitt ca. 1,5 Grad geringer. Dieser klimatische Unterschied wird in der Blüte der Apfelbäume deutlich: Die Apfelbaumblüte beginnt auf den Höhen des Westerwaldes ungefähr 14 Tage später als auf den rheinnahen Lagen.

Fast alle Landschaften in Deutschland sind Kulturlandschaften. Dies sind Landschaften, die seit Jahrhunderten vom Menschen genutzt und verändert werden. Zu diesen Landschaften zählen entsprechend auch die Waldlandschaften im Naturpark, die durch forstwirtschaftliche Zwecke überprägt wurden sowie die charakteristischen Streuobstwiesen im Neuwieder Becken. 

Ausgedehnte Waldlandschaften

Die ausgedehnten Waldlandschaften sind eine Besonderheit im Naturpark Rhein-Westerwald. Mehr als die Hälfte der Fläche des Naturparks Rhein-Westerwald ist bewaldet. Dominierend ist der Laubwaldanteil mit rund 46 Prozent. Nadelwald umfasst eine Fläche von ca. 19,5 Prozent und Mischwald von ca. 34,5 Prozent. 

Wälder nehmen heute sehr unterschiedliche Funktionen war, wie beispielsweise die Nutzfunktion (Nutzen von Holz), Schutzfunktion (u. a. Boden-, Wasser-, Klimaschutz, Sauerstoffproduktion) und eine Erholungsfunktion (u. a. Wandern). Darüber hinaus bietet er Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

hallenwald monreposDer Laubwald kommt artenrein oder als Mischbestände sowie als Hochwald- und Niederwald vor. Im Naturpark gibt es unter anderem Bestände aus Rotbuchenwäldern, Eichen-/Hainbuchenwäldern oder auch dem Laubholzmischwald (u. a. Rot-/Hainbuche, Stiel-/Traubeneiche, Spitz-/Bergahorn, Linde). An wärmebegünstigten Standorten mit geringer Verwitterungsschicht (z. B. entlang der Rheinhänge) kommen auch Trockenwälder mit Arten wie der Els- und Mehlbeere vor. Schluchtwälder sind reliktartig an feuchtkühlen Standorten unter anderem in den Tälern von Saynbach, Laubach oder Fockenach vorhanden. Bergahorne, Linden, Ulmen und Eichen machen diese Bestände aus. 

Die Nadelholzwälder setzen sich vor allem aus Arten wie der Kiefer, Douglasie, Tannen und Lärchen zusammen. Entweder sind die Bestände holzartenrein oder stehen eingemischt zwischen anderen Holzarten. Gebietsweise wurden auch andere Nadelhölzer angebaut wie beispielsweise die Mammutbäume im Jahrsbachtal. Diese Mammutbäume wurden im Jahr 1971 auf Versuchsflächen angepflanzt. In den letzten 40 Jahren ist hier der größte zusammenhängende Mammutbaumbestand im Naturpark Rhein-Westerwald gewachsen.

Waldsäume bilden den Übergang vom Wald zur offenen Landschaft. Bei natürlicher Ausbildung des Waldsaumes setzt sich dieser aus artenreichen Gehölz- und Krautvegetationen zusammen, wie beispielsweise dem Waldgeißblatt, der Heckenrose oder der Hasel bis hin zu lichtverträglichen Farnen und krautartigen Pflanzen. Erstrebenswert ist der geschlossene, abgestufte Waldsaum. Dieser stellt aufgrund seiner Schutz- und Lebensraumfunktion eine wichtige ökologische Nische zwischen Wald und Offenland dar. Ebenso bilden Hecken oder Gebüsche sogenannte „ökologische Trittsteine". Diese Gehölzbestände können aus unterschiedlichen Arten, wie zum Beispiel Holunder, Vogelbeere, Schwarz-/Weißdorn oder Hainbuchen bestehen.

Im Naturpark Rhein-Westerwald gibt es auch kleinere Flächen von Zwergstrauchheiden. Charakteristische Pflanze ist die Sommerblühende Heide. Eine Heidefläche, die durch Heidschnucken des NABU Rensgdorf beweidet wird, befindet sich in Bonefeld.

 

Ackerland und Grünland

Rund ein Drittel der Fläche im Naturpark sind ackerlandwirtschaftlich genutzte Flächen und Flächen des Grünlandes.
Ackerlandwirtschaftliche genutzte Flächen sind v. a. im Bereich des Neuwieder Beckens und auf den Höhenrücken des Westerwaldes im Naturpark zu finden. Dabei werden hauptsächlich Kulturen wie Getreide, Mais, Raps sowie Zucker- und Futterrüben angebaut.

Beim Grünland wird zwischen landwirtschaftlichen Intensiv- und Extensivflächen unterschieden. Die intensiv genutzten Grünlandflächen werden v. a. für die Fütterung von Vieh genutzt. Diese Flächen sind in der Regel artenarm und werden durch Löwenzahn geprägt. Deutlich artenreicher sind die Extensivflächen, wie zum Beispiel Naß- und Feuchtwiesen, Magerwiesen und -weiden, Halbtrocken- und Trockenrasen oder Borstgrasrasen.

 

Besondere Kulturlandschaften: Weinberge und Streuobstwiesen

Weinberge

P1020008Bereits die Römer kultivierten den Wein entlang der Mosel und dem Mittelrheintal. Entlang des Rheins, vor allem aber in den Verbandsgemeinden Unkel, Linz und Bad Hönningen, finden sich bis heute zahlreiche bewirtschaftete Weinberge, die das Landschaftsbild maßgeblich bestimmen. Gerade aufgrund der Exposition und dem begünstigten Klima findet der Wein ideale Wachstumsbedingungen vor. Weinberge wechseln sich entlang des Rheins mit steilen und sonnigen Felswänden ab. Felsvorsprünge oder offene Fugen von alten Trockenmauern bieten in den Weinbergen zahlreichen Eidechsen und Insekten Lebensräume.

Gerade die aufgegebenen und brachliegenden Weinberge unterliegen der natürlichen Sukzession. Auf diesen Flächen entwickeln sich verschiedene Vegetationsformen, wie beispielsweise Halbtrocken- und Trockenrasenformationen oder Gehölzvegetation mit Brombeeren und Schwarzdorn.

Streuobstwiesen

rengsdorfer apfelwegStreuobstwiesen gehören neben dem Weinbergbau zu den charakteristischen Kulturlandschaften im Naturpark Rhein-Westerwald. Die Streuobstwiesen zeichnen sich im Vergleich zur herkömmlichen Obsterzeugung (niederstämmige Plantagenwirtschaft) dadurch aus, dass das Obst auf hochstämmigen Baumformen erzeugt wird und „verstreut" in der Landschaft und vor allem auf Wiesen und Weiden steht. Bei den Streuobstbeständen werden neben der Obsterzeugung auch die Flächen unter den Bäumen zum Beispiel als Weideflächen genutzt.
Gerade für die Biodiversität haben die Streuobstbestände einen hohen Stellenwert: In Mitteleuropa bieten diese einen Lebensraum für über 5.000 Tier- und Pflanzenarten und bringen über 3.000 verschiedene Obstsorte hervor. Charakteristische Arten sind z. B. der Steinkauz, der allerdings in den letzten Jahren im Naturpark Rhein-Westerwald seltener geworden ist, oder der Grünspecht. Aber auch Haselmäuse oder Siebenschläfer quartieren sich gerne in den Obstbaumbeständen ein. Altholzbestände oder Totholzhaufen können zudem Rückzugs- und Lebensräume bilden.

Da die rentable Bewirtschaftung von Streuobstwiesen heute kaum noch möglich ist, werden viele Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt. Die Folge ist, dass die zum Teil sehr alten Bäume mit Misteln besetzt werden sowie durch den fehlenden Schnitt verwahrlosen und damit kaum noch Erträge bringen. Der Naturpark Rhein-Westerwald ist bestrebt, diese alten Streuobstbestände durch Pflegeschnitte zu erhalten. Dabei arbeitet der Naturpark eng mit der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Neuwied zusammen. Im Naturpark gibt es aber auch zahlreiche ehrenamtliche Initiativen, die sich um die Pflege und den Erhalt von Streuobstwiesen kümmern. Beispielsweise setzt sich der NABU Neuwied mit Pflegeschnitten und Neupflanzungen beim Erhalt der Streuobstwiesenbestände ein.

Im Naturpark Rhein-Westerwald sind zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Das Spektrum der Tierwelt ist groß und reicht von der Waldeule und dem Feuersalamander bis hin zum Rothirsch.

Der Rothirsch zeichnet sich durch sein großes Geweih aus. Besonders beeindruckend ist es, die Rothirsche in der Brunftzeit zu beobachten. In dieser Zeit ist das Röhren der Hirsche in den tiefen Wäldern des Naturparks Rhein-Westerwald deutlich zu hören.

Der imposante Hirschkäfer zeichnet sich zwar auch durch ein beeindruckendes Geweih aus, ist aber bei weitem nicht so auffällig wie der Rothirsch. Der Hirschkäfer hat seinen Lebensraum in den artenreichen Streuobstwiesen. Der Bestand des bis zu 7 cm großen Käfers ist stark gefährdet.

Weitere gefährdete Bewohner der Streuobstwiesen sind der Steinkauz, der Grünspecht oder der Siebenschläfer, der sich im Winter mindestens sieben Monate zur Ruhe legt. Bunte Farbteppiche bilden die Schlüsselblumen und die Margeriten unter den Obstbäumen.

orchidee 2Im Wiedtal ist der farbenfrohe Eisvogel zuhause. Durch seine leuchtend grünblaue Farbe, seinem rostbraunen Bauch und dem spitzen Schnabel ist er kaum zu verwechseln. Entlang der Wied geht er auf die Jagd nach kleinen Fischen, Krebstieren oder Insekten.

An den steilen Hängen des Rheintals kann man an sonnigen Tagen an den Felsen oder in Spalten der alten Trockenmauern Mauereidechsen und Schlingnattern entdecken. Diese scheuen Tiere wärmen sich gerne auf den warmen Felsen in der Sonne.

Auch der Uhu hat seinen Lebensraum in einer Felsnische entlang des Rheinhangs gewählt.

Entlang des Rheins sind auf den Halbtrockenrasen Orchideenbestände zu finden. Im Naturpark Rhein-Westerwald kommen sehr unterschiedliche Orchideenarten vor, die unter Naturschutz stehen. Während die Bocksriemenzunge eine recht unauffällige Orchideenart ist, bilden die Knabenkrautbestände bunte Farbakzente entlang der Rheinhänge. Eine Rarität im Naturpark ist der Frauenschuh.

Der Diptam-Bestand an den Rheinhängen ist eine weitere Besonderheit im Naturpark Rhein-Westerwald. Diese krautartige Pflanze blüht in den Frühsommermonaten in rosa Farbtönen und überzieht die Landschaft mit einem zitronigen Duft.